Die Sensorisch Konduktive Förderung auf der Grundlage der Sensorischen Integrationstherapie

"Unter sensorischer Integration versteht man jenen neurologischen Prozess, bei dem vom eigenen Körper und der Umwelt ausgehende Sinneseindrücke geordnet werden und der es dem Menschen ermöglicht, seinen Körper innerhalb der Umwelt sinnvoll einzusetzen..." (J. Ayres, 1989).
Bei Beeinträchtigungen der Aufnahme, Verarbeitung und Integration von Sinnesreizen, ist die Planung und Umsetzung von Verhalten betroffen, und dies wirkt sich negativ auf alle weiteren Lernprozesse aus.
Durch gezielte Reizzufuhr im Rahmen sinnvoller Aktivitäten können konzeptuelles und motorisches Lernen zur Planung und Organisation von Handlungsschemata verbessert werden. Die Zusammenführung der Konduktiven Förderung und der Sensorischen Integrationstherapie wird in den "Sensorisch Konduktiven" (=SK) und integrativen Gruppen praktisch umgesetzt: Menschen mit Autismusspektrum Störung und/oder Wahrnehmungsbeeinträchtigungen lernen auch hier, sowohl in intensiven Lerneinheiten wie auch im inklusiven Setting, ganzheitlich, aktivierend und alltagsbezogen durch gezielte Bewegungsangebote und Einbeziehung aller Wahrnehmungsbereiche sowie unter Anwendung von handlungsbegleitendem Sprechen.
Charakteristisch ist die Arbeit in der Gruppe, sowie der strukturierte, gleichbleibende Tagesablauf zur besseren Orientierung. Das Ziel der intensiven Arbeit in Kleingruppen ist immer die volle und wirksame Teilhabe an der Gesellschaft. Die "Sensorisch Konduktive Förderung" geht immer von den Stärken des Menschen aus und unterstützt in jedem Augenblick die Eigenaktivität des Menschen.


Die Konduktiv Mehrfachtherapeutische (=KM) Förderung

Der Begriff "Konduktion" sowie das darauf aufbauende Konduktive Fördersystem und die Konduktive Pädagogik wurde von dem Arzt Prof. Dr. András Petö in Ungarn entwickelt.
Er ging davon aus, dass Behinderungen auch als komplexe Lernhindernisse verstanden werden können. Demnach können selbst Menschen mit schweren Beeinträchtigungen durch Schaffung optimaler Lernbedingungen Handlungskompetenz erwerben.
Die wesentlichen Prinzipien sind auch heute uneingeschränkt gültig und wurden darüber hinaus durch neueste Erkenntnisse über menschliches Lernen aus folgenden Wissenschaften bestätigt: Pädagogik, Medizin, Psychologie, Soziologie und Sportwissenschaften.
Konduktive Förderung wird als pädagogisches Konzept für Kinder mit und ohne Behinderung praktiziert, ist aber auch ein sonder-/heilpädagogisch-medizinisch-therapeutisches Fördersystem für Menschen mit Behinderung in Fördereinrichtungen und in der Inklusion. Konduktive Förderung als (heil-)pädagogisches Konzept mit seinem humanistischen Menschenbild ist in allen Altersstufen bei Menschen mit und ohne Behinderung anwendbar.


Die Konduktiv Basale Förderung auf der Grundlage der Basalen Stimulation

Die Basale Stimulation baut auf dem elementaren Bedürfnis jedes Menschen nach Wahrnehmung, Bewegung und Kommunikation auf. Da Menschen mit schwerer Mehrfachbehinderung dieses Bedürfnis nur schwer selbständig erfüllen können, werden ihnen Wahrnehmungserfahrungen vermittelt, die an sehr frühe, zumeist vorgeburtliche Erfahrungen anknüpfen. In erster Linie handelt es sich um somatische, vestibuläre und vibratorische Erfahrungen, aber auch Erfahrungen über alle anderen Sinne, die zu einer neuen Erlebens- und Wahrnehmungsqualität führen und eine elementare Kommunikation mit den Bezugspersonen ermöglichen.
Die Weiterentwicklung der Basalen Stimulation für Kinder und Jugendliche mit schwerer Mehrfachbehinderung zur Konduktiv Basalen Förderung beinhaltet das multisensorielle Lernen als wesentlichen Bestandteil, und wird in unseren basalen Gruppen in der praktischen Zusammenführung von Elementen der Basalen Stimulation mit systematischem Training der Bewegungsfähigkeiten (wie greifen, halten, sitzen, stehen, gehen) in Form von täglichen intensiven Übungsprogrammen angeboten.


Die Montessori-Pädagogik

Montessori-Pädagogik bedeutet, Kinder in ihrer Persönlichkeit zu respektieren, ihnen achtsam zu begegnen und sie auf ihrem Entwicklungsweg liebevoll und hilfsbereit zu begleiten. Unter diesen Gesichtspunkten ist es möglich, Kindern eine "Vorbereitete Umgebung" zu schaffen, in der sie nach ihren ganz persönlichen Bedürfnissen, Fähigkeiten und Interessen tätig werden können - eine Tätigkeit, die Voraussetzung ist für Entwicklung und Lernen.
In der "Freiarbeit", dem Kernstück des Tagesablaufs, haben die Kinder jene klaren Rahmenbedingungen und jenen Freiraum, der es ihnen ermöglicht, zu selbstbewussten und eigenverantwortlichen Persönlichkeiten heranzureifen. Der Erwachsene/Pädagoge beobachtet und begleitet das Kind auf diesem Entwicklungsweg. Er berücksichtigt die sensiblen Phasen, hilft ihm, wo es Hilfe braucht, lässt ihm andererseits ausreichend Zeit und Gelegenheit zur Selbsttätigkeit. Durch diese individuelle Entwicklungsmöglichkeit, in der alle Bereiche - kognitive ebenso wie sozial-emotionale, senso-motorische und kreative - in gleichem Maß ihren Stellenwert haben, kommt Montessori-Pädagogik in allen Kindergarten- und Schulgruppen zur Anwendung.


Die Inklusionspädagogik / Inklusive Bildung im Therapie Institut Keil

Ausgehend vom Grundsatz der Inklusion als ein umfassendes Konzept menschlichen Zusammenlebens, bedeutet Inklusion für den Bereich der Elementar- und Schulpädagogik einen gleichberechtigten Zugang zu Bildung für alle und das Erkennen sowie ÜBERwinden von Barrieren. Die qualitative und quantitative Ausweitung der inklusiven Bildungsangebote ist ein Schwerpunkt unseres sonderpädagogischen Handelns. Die zielgerichtete, altersadäquate Vorbereitung auf die Inklusion im Sinne einer ermöglichung der aktiven Teilhabe am Gruppengeschehen durch pädagogisch-therapeutische Fördermaßnahmen erfolgt im Vorfeld durch hochspezialisierte Angebote im Kleingruppensetting. Kinder mit unterschiedlichem Unterstützungsbedarf erhalten auf ihre individuellen Bedürfnisse abgestimmt, das Angebot, mit Hilfe dessen sie ihr individuelles Potential entwickeln und entfalten können und in ihr gegenwärtiges und zukünftiges soziales Umfeld hineinwachsen, wie auch das Umfeld sich auf die individuelle Situation der Kinder einstellen muss. Das Angebot umfasst entweder die Teilnahme in kleinen hochspezialisierten Therapiegruppen, Kleingruppenförderung in Integrativen Kindergarten- oder Schulgruppen oder aber auch die mehrmals täglich stattfindende individuelle Einzelförderung. Individuell gestaltete Inklusion wird parallel mit gezielter und exakt geplanter Kooperation unterstützt und in einem durchlässigen Mehrphasenprozess angeboten.

Aufgrund dieser Prinzipien erfolgt in einem Klima der sozialen Akzeptanz
  • die Erstellung von individuellen Förderkonzepten in sozial-emotionaler, motorischer, sensorisch-integrativer, verhaltenstherapeutischer und kognitiver Hinsicht und
  • die Planung und Vorbereitung der inklusiven und kooperativen Angebote.
Kinder mit besonderen Bedürfnissen benötigen klare, für sie erkenn- und durchschaubare Strukturen im Tagesablauf, die durch die täglichen Fördereinheiten im kleinen Rahmen erlernt und durch die Grundsätze Sensorisch Konduktiver, Konduktiv Mehrfachtherapeutischer Förderung, der Montessori-Pädagogik, der Sensorischen Integrationstherapie, sowie autismusspezifischen Förderkonzepten wie ABA, TEACCH und PECS, im Kindergarten- und Schulalltag weitergeführt werden. Inklusive Gruppen fördern Kinder mit Beeinträchtigung oder Behinderungen (beispielsweise WahrnehmungsBeeinträchtigungen, Entwicklungsverzögerungen oder motorischem Förderbedarf). Das Konzept einer gemeinsamen Betreuung stützt sich auf die Erfahrung, dass alle Kinder viel voneinander lernen können. Das Zusammenleben wird von ihnen als selbstverständlich erlebt - so können Hemmschwellen oder Vorbehalte erst gar nicht aufgebaut werden.


Kooperativer Ansatz

Eine Integrative Kindergartengruppe und eine KM/SK Kindergartengruppe arbeiten nach einem integrativen Ansatz zusammen: ein Projekt zur Förderung von Kindern mit und ohne Behinderung "unter einem Dach".
In den Kooperationsgruppen werden die Kinder individuell betreut und gefördert. Die Gruppen bestehen aus Kindern mit Behinderung im Alter von drei bis sechs Jahren und nicht behinderten Kindern aus der benachbarten Kindergartengruppe.
Das Ziel der Kooperativen Gruppen ist die gemeinsame Erziehung, Bildung, Förderung und Betreuung von Kindern mit und ohne Behinderung. Das zeitliche Angebot ist individuell auf die Bedürfnisse der Kinder angepasst und soll sich im täglichen Stundenausmaß steigern. Die Kinder lernen - unabhängig von ihrem Alter, ihrer Herkunft und dem Schweregrad der Behinderung - ihre gegenwärtigen und zukünftigen Lebenssituationen autonom, solidarisch und kompetent zu bewältigen. Dafür sorgen engagierte Fachkräfte mit unterschiedlichen pädagogisch-therapeutischen Qualifikationen.
Zentrales Anliegen der kooperativen Praxis ist die Verwirklichung des sogenannten Normalisierungsprinzips, das heißt, jedes Kind soll seinen persönlichen Fähigkeiten entsprechend so normal wie möglich aufwachsen und leben. Dazu gehört ein hohes Maß an Toleranz, Akzeptanz, Solidarität und ein Menschenbild, das davon ausgeht, dass es normal ist, verschieden zu sein. Das gemeinsame Lernen von und miteinander wird dabei intensiv als Förderressource genutzt und führt zu einer Verbesserung der Lebensqualität aller Kinder.


Autismusspezifische Förderkonzepte

Bei einer autistischen Beeinträchtigung handelt es sich um eine tiefgreifende Entwicklungsstörung, der komplexe Störungen des Zentralnervensystems zugrunde liegen - insbesondere im Bereich der Wahrnehmungsverarbeitung. Im Zentrum steht eine schwere Beziehungs- und Kommunikationsstörung, wobei häufig auch kognitive und sprachliche, motorische, emotionale und intellektuelle Funktionen betroffen sind. Hinzu kommen zahlreiche Verhaltensauffälligkeiten, die im Alltag sehr belastend für das autistische Kind und v.a. sein Umfeld sind. Autistische Menschen sind somit in der Regel mehrfach behindert.

Besondere Merkmale und Förderschwerpunkte:
  • kleine Lerngruppen
  • gleich bleibender strukturierter Tagesablauf unterstützt bessere Orientierung in Raum und Zeit, ermöglicht rascheres Lernen und gibt Sicherheit
  • bewusste Durchführung des Selbsthilfetrainings mit dem Ziel der größtmöglichen selbständigen Bewältigung des Alltags
  • intensive Perzeptionsförderung zur Verbesserung der sensorischen Integration und zur Erlangung von Handlungsplan und Handlungskompetenz
  • tägliche mototherapeutische und psychomotorische Angebote
  • Kommunikationstraining mit unterschiedlichen Kommunikationsmitteln und -verfahren (Bilder, Fotos, Gebärden, Symbolen, PECS)
  • Strukturierung von Abläufen (TEACCH-Programm)
  • verhaltenstherapeutisch orientiertes Lernen ( ABA)
  • Gewöhnung an eine Gruppe und Akzeptieren von ersten Regeln
  • allgemeine kognitive Förderung, Konzentrationsförderung, Spielanbahnung bzw. je nach Alter Unterricht für Schulkinder



Unterstützte Kommunikation

Unterstützte Kommunikation ermöglicht Kindern mit KommunikationsBeeinträchtigung mehr Chancen für eine effektivere Verständigung und dadurch auch mehr Entwicklungschancen und somit auch bedeutend mehr Lebensqualität.
Unterstützte Kommunikation schafft die notwendigen Vorraussetzungen für die Anregung der Sprachentwicklung bei Kindern mit Behinderung und erhöht positive Kommunikationserfahrungen. Im Mittelpunkt von Unterstützter Kommunikation steht das Bestreben, Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen mit unzureichender oder fehlender Lautsprache so früh und so oft wie möglich zu erfolgreichen Kommunikationserfahrungen zu verhelfen. Dabei werden als Ergänzungen oder als Ersatz der Lautsprache körpereigene Kommunikationsmöglichkeiten und ebenso der Einsatz von nichtelektronischen oder elektronischen Kommunikationshilfen genutzt. Gleichzeitig sieht das Konzept auch eine umfassende sonderpädagogisch-therapeutische Begleitung vor, die insbesondere eine förderliche Art der Interaktionsgestaltung und Gesprächsführung durch die Partner betont.
Eine Kommunikation über die Lautsprache wird dabei nicht ausgeklammert, sondern bleibt weiterhin das Ziel jeglicher Bemühungen.
Unterstützte Kommunikation wird in drei unterschiedlichen Bereichen eingesetzt: als Hilfsmittel des expressiven Ausdrucks, als Ergänzung zur Lautsprache und als Entwicklungsanregung sowie als Ersatzsprache für Kinder, deren kognitive Beeinträchtigung die Lautsprache als Kommunikationsmedium zu komplex erscheinen lässt.